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Recyclingprojekt für Afrika

Schüler, Azubis und Ehrenamtler aus dem Kreis Miltenberg setzen Recyclingprojekt für Afrika um 

Die Bil­der von den Müll­ber­gen, die Ous­ma­ne Mbod­ji aus der Stadt Thiès im Se­ne­gal zeigt, las­sen die Schü­ler hör­bar nach Luft schnap­pen. Der Müll ist übe­rall: Er liegt in gro­ßen Hau­fen am Stra­ßen­rand, er­stickt das küm­mer­li­che Gras wie ein Fli­cken­tep­pich und über­zieht den san­di­gen Bo­den mit ei­ner häss­li­chen Schicht. Das muss sich än­dern, fin­den gleich meh­re­re Akteu­re aus dem Raum Mil­ten­berg.

Schon vor zwei Jahren gründeten einige Aktive gemeinsam mit dem Senegalesen Mbodji in Erlenbach den gemeinnützigen Verein G.U.R.T, »Gemeinsam für die Umwelt in der Region Thiès«. Mit Hilfe von Auszubildenden der Miltenberger Firma Oswald Elektromotoren, Schülern des Karl-Ernst-Gymnasiums in Amorbach und der Grundschule Miltenberg sowie der Rising Lions aus Umpfenbach kann der Verein nun tatsächlich ein konkretes Projekt im 5000 Kilometer entfernten Thiès umsetzen.

Neues aus altem Plastik

In einigen Wochen sollen drei Maschinen die Reise nach Afrika antreten: einfache, aber funktionale Konstruktionen, mit denen man Plastik schreddern, die Schnipsel einschmelzen und anschließend zu neuen Kunststoffprodukten formen kann. In einer Behindertenwerkstatt in Thiès sollen sie zum Einsatz kommen. Im Dezember will der Verein außerdem gebrauchte Mülltonnen in den Senegal schicken. Dafür haben die Grundschüler bereits den Erlös ihres Schulfestes gespendet. »Es gibt keine Müllentsorgung im Senegal«, schildert Ousmane Mbodji das Problem. »Aber die Leute müssen verstehen, dass der Müll nicht in die Landschaft gehört.«

»Wir wollen in der Region Aufklärung leisten und vor allem die jungen Leute zum Umdenken bringen«, sagt Conny Wolf. Die Miltenbergerin ist Mitglied im G.U.R.T. und diejenige, die alle Fäden zusammengeführt hat. Über sie kam der Kontakt zu Marcus Dürschinger zustande, der die Idee des Vereins aufgriff und daraus das P-Seminar »Recycling« am Amorbacher Gymnasium ins Leben rief. Es widmet sich der Umwelterziehung und dem Umweltschutz im Senegal und in Ghana.

Schüler dokumentieren

Mit Hilfe von Nadine Faber, Vorsitzende der Rising Lions in Neunkirchen, entdeckten die Schüler die Internetseite Precious Plastic, die unter anderem zeigt, wie man selbst Maschinen zum Plastikrecycling bauen kann. Sie begleiten und dokumentieren das gesamte Projekt, gestalten Infomaterial für die Menschen in Afrika, sammeln Spenden und stellen die Maschinen beim Afrika-Kulturtag der Rising Lions Ende Juni in Neunkirchen den Besuchern vor. Auch beim Schulfest der Miltenberger Grundschule am Freitag, 11. Mai, sollen sie bereits zu sehen sein. Dort informiert auch G.U.R.T. über seine Arbeit.

Für den Bau allerdings brauchten Schüler und Verein Hilfe. Wiederum war es Conny Wolf, die Rat wusste: Sie berichtete Firmenchef Johannes Oswald von dem Vorhaben – und der war sofort bereit, es mit den Auszubildenden der Firma umzusetzen. Erich Foubert betreut Ann-Kathrin Hauk, Felix Beck und Maurice Hennig bei der Aufgabe. Ein bisschen Feinabstimmung haben die drei noch vor sich, bis die Maschinen endgültig funktionieren. Schließlich – so die Idee von Johannes Oswald – sollen sie sie sogar im Senegal selbst in Betrieb nehmen und den Menschen vor Ort zeigen, wie man sie richtig bedient.

Gemeinsam etwas bewegen

»Das Projekt soll Nachahmungscharakter für andere Regionen haben«, erklärt Wolf. Mit Hilfe der Maschinen könnten Menschen in Arbeit gebracht werden – und gleichzeitig lernen, dass aus dem Abfall etwas Sinnvolles entstehen kann, mit dem sich sogar Geld verdienen lässt. Das recycelte Plastik lässt sich zum Beispiel zu Tellern, Tassen oder Schalen formen.

Allen Beteiligten ist klar, dass ihre Initiative nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber Marcus Dürschinger bringt es am Ende auf den Punkt: »Wenn keiner nix macht, dann passiert auch nix.« Aber in diesem Fall können viele gemeinsam doch ein bisschen was bewegen.

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