Spanisch

Erlebnisbericht: Ein halbes Jahr in Argentinien

 

Am 3.Februar dieses Jahres kam ich in Argentinien an. Ich war bei Minusgraden losgeflogen und landete bei 35 Grad. Am Flughafen in Buenos Aires wurde ich schon von einem Teil der siebenköpfigen Familie empfangen und wir fuhren etwa sechs Stunden mit dem Auto nach Parana. Dort sollte die nächsten 5 Monate mein zu Hause sein.

 

Doch zunächst ein paar Informationen zu Argentinien:

Es ist das 8. größte Land der Erde, ca.8 mal so groß wie Deutschland, hat aber nur die Hälfte unserer Bevölkerung und diese wohnt überwiegend in den Großstädten.

Die Klimazonen reichen von Tropisch bis Polar. Da es auf der südlichen Halbkugel liegt ist alles entgegengesetzt zu uns. Je weiter im Norden desto heißer. Im Osten liegen die Anden, der Westen ist meist flaches Land.

Argentinien ist in 22 Provinzen aufgeteilt.   Eine davon ist Entre Rios. Sie liegt im NO

Von Buenos Aires und die Hauptstadt heißt Parana, mit ca. 207000 Einwohnern. Das besondere hier ist der riesige Fluss Parana. Er hat viele Arme und ist dort fast 40 Kilometer breit.

Der Unterschied zwischen arm und reich ist wesentlich größer und die Armut fällt viel mehr auf als bei uns.

 
 

 

Die Familie in der ich lebte zählte dort zur Mittelschicht. Der Vater ist Agrar Ing. und selbständiger Imker. Die Mutter arbeitet als Englischlehrerin. Trotzdem können sie sich wahrscheinlich den Flug für meine Austauschpartnerin nicht leisten. Ich hoffe aber sehr, dass sie nächstes Jahr eine bessere Honigernte haben.

In der ersten Zeit war fast alles ungewohnt für mich. Wir wohnten zu acht in einem sehr kleinen Haus mit einem Bad, einer Küche, die gleichzeitig als Wohnzimmer dient und 2  Schlafzimmern. Die Materialien für den Anbau des 2.Kinderzimmers waren schon da, aber weil die Honigernte so schlecht war, konnte der Maurer nicht bezahlt werden. Also wird das 2.Zimmer eben erst nach der nächsten Ernte gebaut.

Meine Sprachkenntnisse reichten nirgendwohin, ich konnte zunächst nichts alleine unternehmen.

 

Trotzdem gefiel es mir schnell sehr gut, da die Leute alle sehr offen und interessiert auf mich zukamen.

Besonders genoss ich es, wenn sich die Großfamilie traf.  Zusammen sind das 46 Leute. Und dann gab es sehr oft „Hazado“ – ein Grillgericht. Und Mate!!! Ein Kraut in einem ausgehöhlten kleinen Kürbis oder einem anderen Gefäß, mit einem Saugröhrchen, das immer wiederaufgegossen wird und reihum geht, wie die Friedenspfeife! Selbst bei der größten Hitze laufen die Argentinier deshalb immer mit Thermoskanne herum  - ich habe es sehr schnell lieben gelernt und trinke es jetzt auch noch zu Hause, wenn Zeit ist!

 Da ich nie alleine war, lernte ich schnell mich besser auf Spanisch zu verständigen.

An den Wochenenden fanden viele Feiern statt, da in meiner Zeit dort viele Freundinnen meiner Austauschschülerin Tati 15 wurden.  Dieser Geburtstag wird bei den Mädchen besonders groß gefeiert.

Die ersten drei Wochen hatte ich noch Sommerferien dann begann die Schule. Ein Schuljahr ist in drei Semester eingeteilt, außer den dreimonatigen Sommerferien gibt es nur noch im Winter zwei Wochen frei.

Da die staatlichen Schulen in ganz Argentinien ein sehr niedriges Niveau haben gehen alle Kinder der Familie Gomez auf Privatschulen, auch wenn sie nicht besonders viel Geld haben.

Neben der Schule gehen viele Kinder noch in einen privaten Englischunterricht, um die Grundlagen besser zu lernen.  Meine „ Geschwister“ gingen in Englisch und die Mädchen spielten zusätzlich Volleyball. Ich wurde überallhin mitgenommen und hatte bald jede Menge Freunde und Freundinnen.

 
 

In der Schule selbst mussten alle eine einheitliche Schuluniform tragen. Jede Schule hat eine andere und somit kann man an Hand der Uniformen doch in etwa abschätzen ob ein Kind reich oder arm ist. Es gibt auch unter den Privatschulen bessere und schlechtere.

Ich ging dort sehr gerne in die Schule und die meisten meiner Mitschüler auch. Ich habe mich oft gefragt, warum das in Deutschland bei vielen nicht immer so ist. Liegt es daran, dass ich dort weniger Leistungsdruck hatte? Oder an der stärker spürbaren Lebensfreude? An der größeren Anteilnahme der anderen? An der größeren Wissbegierde fast aller Schüler? Ich weiß es nicht, aber ein großer Unterschied ist, dass fast alle sich der Chance der Bildung bewusst sind und deshalb zur Schule gehen wollen – notfalls hat man eben keinen Urlaub, kein 2.Kinderzimmer bei 5 Kindern….aber man zahlt für die Schulen einen großen Anteil des monatlichen Einkommens.  Ich finde das nicht unbedingt gut, weil dadurch viele von Bildung ausgeschlossen werden, aber bedenkenswert ist die Einstellung zur Schule.

 
 
 

Ein Höhepunkt war der Besuch meiner Mutter, mit der ich nach Jujuy fahren durfte.

Das ist die nordwestlichste Provinz, mitten in den Anden gelegen. Im Tiefland wachsen Bananen und Papayas. Im Hochland herrscht semiarides Klima, es wachsen Riesenkandelaberkakteen und es gibt Salzseen.

 

Die 5 Monate in Argentinien haben mir wunderbar gefallen. Ich habe sehr viel für mich   gelernt und hoffe viele meiner Freunde irgendwann wiederzusehen.

Cordula Frey