Ein Vormittag beim THW
Amorbach. Was das Technische Hilfswerk eigentlich tut, konnten die wenigsten der über 40 Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe des Karl-Ernst-Gymnasiums Amorbach vorher genau sagen. Nach einem Vormittag beim THW-Ortsverband Miltenberg sah das anders aus.
Nach der herzlichen Begrüßung durch den Ortsbeauftragten ging es zunächst mit einem Fragebogen los: Wie ist das THW aufgebaut, wer trägt die Kosten, wofür wird es überhaupt gerufen? Die Antworten reichten von Hochwasser und Sturmschäden über die Notstromversorgung sowie die Sicherung von Infrastruktur bis zu Einsätzen im Ausland.
Dass fast alle Mitglieder ehrenamtlich arbeiten, war für viele eine Überraschung. Ebenso der Unterschied zur Feuerwehr: Die Feuerwehr kann jeder über den Notruf alarmieren, das THW rückt nur aus, wenn andere Einsatzkräfte es anfordern.
Nach der gemeinsamen Auswertung übernahmen junge Mitglieder des Ortsverbands, die Stationen vorbereitet hatten und mit spürbarer Begeisterung bei der Sache waren.
An der ersten Station ging es um Organisation und Funkverkehr. Bei einer Runde „Schiffe versenken“ über die Funkgeräte merkten die Jugendlichen schnell, wie viel von klaren Absprachen abhängt: Wer undeutlich spricht oder eine Koordinate verwechselt, sorgt für Verwirrung – im Ernstfall kann das über Minuten entscheiden.
Die zweite Station hatte es in sich. Eine Übungspuppe lag unter einem zwei Tonnen schweren Betonblock eingeklemmt und musste befreit werden – zunächst mit der Hydraulikpresse, die über eine Handpumpe betrieben wird. Wie viele Züge am Pumpenhebel nötig sind, bis sich zwei Tonnen Beton bewegen, merkten die Jugendlichen dabei am eigenen Arm. Anschließend zeigten die Helferinnen und Helfer, wie dieselbe Aufgabe mit dem generatorbetriebenen Spreizer gelöst wird: deutlich schneller, aber mit entsprechend mehr Vorbereitungsaufwand. Danach übten die Jugendlichen die Menschenrettung mit der Trage und abschließend wurde der komplette Fuhrpark besichtigt.
Die dritte Station fand am Wasser statt. Nach der Einweisung bauten die Jugendlichen selbst ein kleines Floß. Rund 45 Minuten dauerte es, bis es trug. Hier zeigte sich, dass ohne Aufgabenverteilung und klare Ansagen wenig vorangeht. Danach wurde mithilfe des Floßes Wasser aus dem Main gepumpt. Genau auf dieses Zusammenspiel von Technik und Teamarbeit kommt es bei Hochwasser- und Katastropheneinsätzen an.
Besonderer Dank gilt dem gesamten Team des THW-Ortsverbands Miltenberg, das sich den ganzen Vormittag Zeit genommen und den Besuch mit viel Aufwand vorbereitet hat.
Es war der erste Besuch dieser Art, eine Wiederholung im kommenden Schuljahr ist bereits geplant. Und vielleicht hat der eine oder die andere ja Lust bekommen: Das THW sucht laufend Nachwuchs, ob jung oder älter. Wer mitmacht, hilft nicht nur Menschen in Not, sondern gehört zu einer Gemeinschaft, die anpackt, wenn es darauf ankommt – und das wird angesichts zunehmender Unwetter- und Katastrophenlagen immer wichtiger.
Marcus Dürschinger und Alexander Sitko
Die Bildrechte liegen bei Alexander Sitko.




