Musical versetzt Zuschauer in Vergangenheit der Abteikirche und der Stadt

„Bote vom Untermain“, Bericht v. 18.07.2018 – Amorbacher Schüler begeistern mit klangvoller Zeitreise

Dienstag, 17.07.2018 – 14:31 Uhr
Stau­n­en­de Ge­sich­ter und Gän­se­haut bei den fast 400 Be­su­chern am Mon­ta­g­a­bend in der voll be­setz­ten Amor­ba­cher Ab­tei­kir­che: Mit dem Mu­si­cal »Amor­bach – Back to the Fu­tu­re« über­zeug­ten die jun­gen Akteu­re aus den vier Schu­len des Schul­cam­pus im Rah­men der un­ter­frän­ki­schen Kul­tur­ta­ge und ern­te­ten für ih­re Auf­füh­rung to­sen­den Ap­plaus.

150 Mitwirkende aus der Wolfram-von-Eschenbach Grundschule, der Parzival Mittelschule, der Theresia-Gerhardinger Realschule und des Karl-Ernst-Gymnasiums, Musiker der Stadtkapelle und des modernen Musikzugs sowie der Bürgstädter Chor Cantabile sorgten für 90 kurzweilige und spannende Minuten. Ein Jahr lang hatten sich die Schüler unter der Gesamtleitung von Nico Balling vorbereitet und Episoden aus der Vergangenheit der Abteikirche und der Stadt musikalisch und szenisch aufbereitet. Das Ergebnis war eine verrückte Reise in die Vergangenheit, mal witzig und unterhaltsam, dann wieder kritisch.

Für einen fulminanten Einstieg sorgte das Orchester mit dem Stück »Back to the future«. Feierlich und kraftvoll dröhnte ein wahres Meer aus unterschiedlichsten Klängen durch die Kirche, gefolgt von der ersten Zeitreise von Doc und Marty mittels selbst gebauter, blinkender und rauchender Zeitmaschine.

Beim Fundamentsbau der Abteikirche angekommen, errichteten mehrere junge Mönche bei gregorianischen Klängen eine Mauer auf der Bühne. Schließlich stellten die Geistlichen ihr Werk fertig, umrahmt von einer sachten und einfühlsamen Sologesangseinlage mit feinen Ergänzungen durch den Chor.

Tänzerisch ging es bei der nächsten Station in der Renaissance weiter. Tiefe, langsame Töne erfüllten das Gemäuer während mehrere Mädchen mit Tüchern und Gymnastikbällen, die das Planetensystem und die Veränderung der Weltbilder darstellen sollten, einen anmutigen und grazilen Tanz vollführten. Abgelöst von einer kurzen Rapeinlage, bei der sich zwei Schüler die Worte um die Ohren feuerten, gipfelte das Schauspiel in einem Duell mit zwei Lichtschwerter à la Star Wars, untermalt mit einem passenden und dynamischen Medley »Space and beyond« seitens des Orchesters.

Die Umgestaltung der Abteikirche im Stil des Barock und Rokoko vollführten die jungen Schauspieler mittels eines witzigen, mit zahlreichen Gestiken und Mimiken untermalten Zwiegesprächs zwischen Abt und Baumeister. Dabei wurden die unterschiedlichen Bereiche der Kirche illuminiert, ein fast eskalierender Wirbel an flotten Orgelklängen erfüllte das Gemäuer.

Gänsehaut herrschte noch einmal bei der Krönungsszene der Queen Victoria, deren Eltern eine Zeit lang in Amorbach residierten. Feierlich erschallte durch Orchester und Chor »God save our gracious Queen«, während die Zuschauer das Spektakel stehend beobachteten.

Den Abschluss fand die Zeitreise nach dem zweiten Weltkrieg in einem Disput zwischen Einwohnern und Flüchtlingen und gipfelte in einem leidenschaftlich und gefühlvoll dargebotenem »Heal the world« von Michael Jackson. Mit viel Liebe zum Detail und jeder Menge Einfallsreichtum zauberte das Ensemble ein unvergessliches Stück in die atemberaubende Kulisse der Abteikirche.
Jennifer Lässig